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THEMA: Der Platz der Kunst in Gegenwart und Zukunft

Der Platz der Kunst in Gegenwart und Zukunft 7 Jahre 11 Monate her #359

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Hallo liebe Gilde!

Da wir uns eine kleine Plauderecke gegönnt haben, möchte ich die Gelegenheit nutzen und gleich mal den ersten Beitrag leisten.

Was mich seit einiger Zeit beschäftigt, steht bereits im Titel des Thread. Hat die Kunst (gemeint ist damit die schöngeistige Darstellung) in der heutigen Zeit und vor allem in naher und nicht ganz so ferner Zukunft überhaupt noch Bedeutung für uns, allgemein für den Menschen?
Unser Leben ist so schnelllebig geworden. Ständiger Zeit-/Termindruck, Stress bis in den Abend. Die Gesellschaft wird „unbarmherziger“ und mir kommt es so vor, als ob Gefühle eher immer lästiger als nutzbringend werden. Jede Generation stumpft mehr und mehr ab. Ich merke dies bereits im Bekannten-/Familienkreis. Erst war es TV, dann Computer, jetzt Handy und Tablet…Wie Rene mal anmerkte, Zitat: „ Die Kinder haben zwar schnelle Daumen, aber können keinen Pilz mehr zeichnen.“. Wie soll da die Kunst eine Chance haben (Ich assoziiere das Bild des einfachen Pilz im übertragenen Sinne zur Kunst)? Oder ist das nur ein subjektives Empfinden von mir. Egal ob Musik, bildlichen Darstellung, Kunsthandwerk… der Bezug zur Kunst wird m.M.n. immer mehr abnehmen bis letztendlich vielleicht nichts mehr davon übrig ist. Oder aber ist der Mensch erst dann ein Mensch, wenn er Sinn für Kunst besitzt und wird darum dieses „natural geistige Gut“ die Kunst selbst nicht aussterben lassen? Schon in frühen Menschheitstagen lässt sich künstlerisches Handeln feststellen. Wird es erhalten bleiben und sich weiterentwickeln wie der Mensch selbst?

Was denkt ihr darüber?

Bin gespannt auf euere Meinungen.

"Alle Menschen sind klug, die einen vorher, die anderen nachher. Nur wenn es darauf ankommt, ist jeder dumm."

arabisches Sprichwort
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Der Platz der Kunst in Gegenwart und Zukunft 7 Jahre 11 Monate her #360

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Heyho,

ich stelle mich mal deiner Fragestellung:

Nun, zunächst bin ich der Überzeugung, das Kunst im Allgemeinen nicht Gefahr läuft, an Bedeutung zu verlieren. Wenn man diese Thematik betrachtet, ist es wichtig, in welchem Rahmen man denkt. D.h. Kunst ist stets kulturell verknüpft, sie entsteht innerhalb Gesellschaft, die durch verschiedene Einflüsse geprägt und verändert wird. So hat das Aufkommen der Fotografie das Konzept der realistischen Malerei zunächst abgelöst. Und so ist es auch möglich, das die Faktoren, die du genannt hast, wiederum auf die Kunst wirken. Eine Schnelllebige Zeit kann also eine Kunst mit geringer Halbwertszeit hervorbringen oder die Art und Weise wie ein Kunstwerk entsteht hat sich geändert.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verflechtung des Beobachters(in diesem Fall sind wir das) in eine spezifische(erzgebirgische) Kultur. So Wir können also stets nicht alles durchblicken und wir sind auch gesellschaftlich befangen. D.h. die meisten Menschen die wir kennen, können überhaupt nur sehr wenig mit Kunst anfangen oder haben einen gänzlich anderen Blick darauf. So sehen manche Menschen Graffiti als Schmiererei, andere wiederum als Kunst, je nach persönlicher Bildung im Sinne vom individueller Prägung von außen. Manche meinen sogar, dass Streetart eine neue Art der Volkskunst ist( dann gibt es plötzlich sehr viele Volkskunst schaffende im Erzgebirge ;) ).


Ich muss erst mal los. Zu dem Rest schreibe ich dir noch ein Statement.
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

Thomas Morus (1478 - 1535), englischer Staatsmann und humanistischer Autor
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Der Platz der Kunst in Gegenwart und Zukunft 7 Jahre 11 Monate her #364

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Soweit so gut. Weiter mit Teil zwei:

Ich habe geschrieben, dass wir (und ich auch)eigentlich in dem gesellschaftlich und kulturell geprägten Rahmen Objekte betrachten können. Deshalb gehe ich von der Ebene des "Überblickens" hin zur spezifischen und wohl auch subjektiven Betrachtung.
Es macht wohl Sinn diese Betrachtung in erster Linie auf das Erzgebirgische Schnitzen im Sinne der Volkskunst zu beziehen.

Ich denke mal, dass bis zur Wiedervereinigung die erzgebirgischen Schnitzkunst einen hohen Popularität in der Bevölkerung im Erzgebirge und darüber hinaus hatte. Sicherlich gab immer mal Hochzeiten der Volkskunst, aber im Vergleich zu heute waren die Nachwuchsschwierigkeiten sicherlich weniger gravierend.
Das aus deiner Problembeschreibung hervorstechende Thema beschreibt ja das absolute Desinteresse oder sogar die Ablehnung jeglicher, in unserem Fall, geschnitzte oder volkstümlicher Objekte. Es gibt natürlich auch wieder Sammler oder Antikjäger, aber ein Großteil der erzgebirgischen Bevölkerung, insbesondere eine junge bis mittelalte Bevölkerungsschicht scheint nicht wirklich Interesse am Schnitzen bzw. am Geschnitzen zu haben. Und die Gründe dafür können zahlreich sein.

Ich hatte schon mal in einem anderen Thread was dazu geschrieben:
schnitzer-gilde-erzgebirge.de/index.php/...radition-mit-zukunft

Es ist ein schweres Thema, gerade da wir sehr davon betroffen sind. Hier mal ein Beispiel, was wohl zu heutigen Leitkultur zählt: Als Ersatz für fröhliches Beisammensein und nebenbei laufendem Kunsthandwerk - allgemein als Hutzen bekannt ;) - werden dann bei uns im Gebirg große Saufveranstaltungen organisiert und mit der billigen Kopie eines bayerischen Volksfestes gedeckelt, um nicht allzu Oberflächlich zu erscheinen und dann wird das Ganze auch noch als gut empfunden. Ich geh da jetzt mal nicht näher darauf ein, aber anscheinend kann man die Menschen nur noch damit aus ihrer Passivität ziehen, indem man Events und Konsum anbietet!?

Um nicht ganz so negativ zu enden: Ich kenne viele junge Leute die sich fürs Schnitzen im allgemeinen Interessieren, auch außerhalb der Gilde und außerhalb des Erzgebirges. Wenn ich woanders in Deutschland von meiner Schnitzerei erzählt habe, waren die Leute begeistert. Am liebsten hätten sie es gleich mal selbst ausprobiert. Einem guten Freund aus Görlitz habe ich bereits Holz, ein Messer,ein paar Eisen und gute Ratschläge gegeben. Und wisst ihr was der macht: er fährt naus in die Natur und schnitzt aus einem Stück Lindenholz nen Arm mit Hand. Und gar nicht so schlecht. Im Prinzip gelebte erzgebirgische Tradition aber ganz wo anders.
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

Thomas Morus (1478 - 1535), englischer Staatsmann und humanistischer Autor
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